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Gelungene Kommunikation mit Patienten und Angehörigen

Eine gute Kommunikation zwischen Ihnen, Ärzten und Patienten kann Ihnen nicht nur den Praxisalltag erleichtern, sondern kann auch die Behandlung beeinflussen. Im Praxis- oder Klinikalltag trifft man ständig auf neue Menschen mit individuellen Fragen, Sorgen und Bedürfnissen. Nicht immer fällt es leicht, sich adäquat auf seinen Gesprächspartner einzulassen.

Lernen Sie hier, wie Sie die Bedürfnisse Ihres Gesprächspartners erkennen und so besser auf ihn eingehen können. Damit können Sie den Gesprächserfolg positiv beeinflussen. Egal ob Patient oder Angehöriger – wichtig ist, dass Sie Ihren Gesprächspartner individuell betrachten und sich seinen Kommunikationsbedürfnissen anpassen. Gesprächsstrategien auf Basis der Kommunikationstypologie können hierbei unterstützen.

Unterschiedliche Kommunikationstypen erkennen

Die Kommunikationstypologie nach den Psychoanalytikern und Psychologen C. G. Jung, W. M. Marston und B. Bonnstetter unterscheidet vier verschiedene Kommunikationstypen, die jeweils eigene Bedürfnisse in einem Gespräch haben. Um Ihre Informationen klar zu kommunizieren sowie Patienten und Angehörige zu erreichen, können Sie auf das Modell zurückgreifen. Lernen Sie, Kommunikationstypen in Ihren Gesprächspartnern zu erkennen. Dies wird Ihnen dabei helfen, deren individuelle Bedürfnisse besser zu verstehen und die geeignete Herangehensweise an das Gespräch zu wählen.

Die Kommunikationstypologie nach Jung, Marston und Bonnstetter unterscheidet den gewissenhaften, dominanten, initiativen und stetigen Kommunikationstypen und strukturiert diese nach Farben:

  • Farbtyp Blau, den Analytiker und Strategen, bewegen Sie am besten mit Fakten und klaren Aufforderungen. Menschen des Typs Blau wirken häufig distanziert. Gibt man ihnen aber etwas Zeit, gehen sie oft enge und beständige Vertrauensbeziehungen ein. Wenn Sie sie überzeugen, werden sie kooperative und zuverlässige Partner während der Behandlung. Geben Sie diesem Typ Raum, um die Informationen zu durchdenken und zu verarbeiten. Anschauliches Material kann ihm dabei helfen.
  • Farbtyp Rot hat sein Ziel klar vor Augen und verfolgt es ehrgeizig. Er möchte möglichst effektiv vorankommen und trifft daher oft schnelle Entscheidungen. Menschen dieses Typs nehmen kein Blatt vor den Mund und sprechen ihre Bedürfnisse klar aus. Dies kann forsch wirken und manche vor den Kopf stoßen. Es ist wichtig, diesen Typ richtig einzuordnen. Denn die manchmal als roh empfundene Umgangsart dieses Typs ist meist keine persönliche Kritik oder Abneigung. Mit einem Typ Rot können Sie direkt und ohne Umschweife kommunizieren. Achten Sie jedoch darauf, seine Autorität dabei nicht infrage zu stellen.
  • Farbtyp Gelb ist sehr aufgeschlossen und lässt sich schnell und gerne auf ein Gespräch ein. Detaillierte Hintergrundinformationen sind für ihn weniger interessant. Einige Menschen dieses Typs bewältigen ihre Traurigkeit, indem sie sich mit anderen Dingen ablenken — diesen Prozess können Sie als onkologische Pflegekraft unterstützen. Da sie sich von innovativen Ideen begeistern lassen, sind sie oft auch modernen Unterstützungsangeboten, wie beispielsweise digitalen Tools gegenüber aufgeschlossen. Achtung! Dieser Typ neigt häufig zu Unzuverlässigkeit.
  • Farbtyp Grün fordert etwas mehr Einfühlsamkeit und eine enge emotionale Betreuung. Haben Sie aber eine Vertrauensbeziehung zu einer Person dieses Typs aufgebaut, ist sie sehr beständig und verlässlich. Diesen Typ können Sie vor allem unterstützen, indem Sie ihm Sicherheit und klare Strukturen vermitteln. Auch hier ist es wichtig, Stress zu vermeiden und ihm Ruhe und Zeit zu geben. Typ Grün ist ein absoluter Teamplayer – stellen Sie also die gute Zusammenarbeit in den Vordergrund.

Wie erkennen Sie, mit welchem Kommunikationstyp Sie sprechen? Idealerweise machen Sie sich vor dem Gespräch Gedanken, wie Ihr Patient oder dessen Angehöriger bisher auf Sie wirkte und welcher Kategorie er sich zuordnen ließe. So können Sie sich vorab auf eine passende Kommunikationsstrategie vorbereiten.

Wenn Sie Ihren Gesprächspartner zum ersten Mal vor sich haben, können Ihnen folgende W-Fragen dabei helfen, in ihm einen bestimmten Kommunikationstyp zu erkennen:

  • Wie begrüßt er Sie? Ist er zum Beispiel offen oder eher zurückhaltend?
  • Wie direkt und häufig ist der Blickkontakt?
  • Wie ist seine Körperhaltung? Fühlt er sich in der Gesprächssituation wohl?
  • Wie spricht Ihr Gegenüber? Ist er eher lebhaft oder ruhig, ist seine Stimme kräftig und selbstbewusst oder eher leise?

Überlegen Sie sich dann, wie Sie in diesem speziellen Fall mit Ihrem Patienten kommunizieren sollten, um seine Bedürfnisse zu befriedigen und gleichzeitig Ihr Kommunikationsziel zu erreichen.

Der Gesprächseinstieg als Erfolgsparameter

Insbesondere der Beginn eines Gesprächs ist entscheidend für dessen Erfolg. Er hat maßgeblich Einfluss auf den weiteren Gesprächsverlauf sowie auf Aufmerksamkeit und Vertrauen Ihres Gegenübers. Stellen Sie sich vor, Sie begrüßen Ihren Patienten zunächst und besprechen mit ihm die allgemeine Befindlichkeit. Danach möchten Sie ihn dazu motivieren, Ihnen bei jeglichen Anzeichen von möglichen Nebenwirkungen Bescheid zu geben.
Nutzen Sie den Wortwechsel zur Begrüßung zur ersten Typologisierung Ihres Patienten. Darauf aufbauend können Sie dann den richtigen Gesprächseinstieg wählen, um Ihr Anliegen zu kommunizieren.

Gesprächsbeispiel:

Sie möchten den Patient dazu motivieren, sich bei jeglichen Anzeichen von möglichen Nebenwirkungen bei Ihnen bzw. dem behandelndem Arzt zu melden.
Im Folgenden finden Sie Gesprächsbeispiele dafür, wie Sie die verschiedenen Kommunikationstypen mit Ihrem Anliegen ansprechen können:

Typ Blau

„Fakt ist: Da die immunonkologische Therapie eine besondere Wirkweise hat, kann auch eine bestimmte Art von Nebenwirkungen auftreten. Das passiert, weil das Immunsystem durch die Therapie angeregt wird. Statistisch betrachtet sind unter den häufigsten Nebenwirkungen bei einer immunonkologischen Therapie u. a. Hautreaktionen und gastrointestinale Störungen. Es können aber auch andere Organsysteme betroffen sein.
Studien haben gezeigt, dass die meisten immunvermittelten Nebenwirkungen unter dieser Therapie aber effektiv behandelt werden können, wenn sie früh erkannt werden. Sollten Sie etwas Auffälliges bemerken, muss das also sofort gründlich untersucht werden, um gezielt dagegen vorgehen zu können. Kontaktieren Sie daher bitte umgehend Ihren behandelnden Arzt!“

 

Beispielformulierungen für ein Gespräch mit Typ Blau:
„Fakt ist ...“
„Wirkweise…“ / „Das passiert, weil …“
„Statistisch betrachtet…“
„Studien haben gezeigt ...“
„effektiv behandeln“ / „gründlich untersucht“ / „gezielt vorgehen“

Typ Rot

„Verantwortung im Job gehört für Sie zum Alltag. Vergessen Sie dabei aber nicht, auch Verantwortung für Ihre Gesundheit zu übernehmen. Lassen Sie uns daher während Ihrer Therapie eng zusammenarbeiten. Sie werden mit Ihrem Arzt konkrete Ziele setzen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erreichen. Wir müssen jetzt mögliche Nebenwirkungen genau im Blick behalten. Sollte Ihnen etwas auffallen, dann kontaktieren Sie Ihren Arzt. Unser Ärzteteam hat einen genauen Plan, nach dem es die jeweiligen Nebenwirkungen behandelt. Oft sind sie mit der richtigen Strategie in den Griff zu bekommen. Es ist jedoch wichtig, dass mögliche Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden!“

 

Beispielformulierungen für ein Gespräch für Typ Rot:
„Verantwortung für Ihre Gesundheit übernehmen“
„… eng zusammenarbeiten“ / „… konkrete Ziele setzen“
„bestmögliche Ergebnisse …“/ „… genau im Blick behalten“
„… genauen Plan“ / „Strategie“ / „… früh in den Griff bekommen“

Typ Gelb

„Sie müssen mehr auf sich achten. Hören Sie auf Signale Ihres Körpers und bitte informieren Sie den Arzt, wenn Ihnen etwas auffällt. Lassen Sie uns im Austausch bleiben. Wir haben jetzt ein neues Patiententool eingeführt, das uns dabei helfen soll. Hätten Sie spontan Lust mitzumachen?

 

Beispielformulierungen für ein Gespräch mit Typ Gelb:
„… auf sich achten“
„Hören Sie auf Signale Ihres Körpers“
„… im Austausch bleiben“
„… neues Tool“
„… Lust mitzumachen?“

Typ Grün

„Wir werden Sie jetzt gut unterstützen und gemeinsam darauf achten, wie es Ihnen geht. Es ist wichtig, dass wir darüber sprechen, wenn Ihnen etwas auffällt. Würde Ihnen dieses Tagebuch helfen? Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Überlegen Sie es sich einfach einmal in Ruhe. Wir sind für Sie da, wenn Sie noch Fragen dazu haben.“

 

Beispielformulierungen für ein Gespräch mit Typ Grün:
„…gut unterstützen“ / „gemeinsam“
„Würde Ihnen … helfen?“
„Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht ...“
„Überlegen Sie es sich in Ruhe“
„Wir sind für Sie da“

 

Unser Fazit für Sie:
Um das Kommunikationsziel bei jedem Gesprächspartner zu erreichen, ist es wichtig, sich auf dessen individuelle Kommunikationsbedürfnisse einzustellen.

Weiterführende Informationen

Sie möchten noch besser verstehen, wie Sie mit Krebspatienten umgehen können?
Im Kapitel Gelungene Kommunikation lernen Sie, wie Sie Ihre Patienten anhand verschiedener Gesprächstypen einteilen und so ganz spezifisch auf sie eingehen können.

Erhalten Sie außerdem wichtige Informationen und Tipps für Ihren Umgang mit Angehörigen Ihrer Patienten.

Hilfsangebote für Krebspatienten und ihre Angehörigen finden Sie unter anderem hier:

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