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Impfung bei eingeschränkter Nierenfunktion: Beate L.*

2022-04-07 
 

Beate L.* hat einen systemischen Lupus erythematodes (SLE) mit eingeschränkter Nierenfunktion (Lupusnephritis).1 Bei ihrem Hausarzt werden daher regelmäßig ihre Nierenwerte kontrolliert. Was beim Blick in ihren Impfausweis auffällt und welche Impfungen sie braucht, hier!

Beate L

Beate L. aus B.

  • 55 Jahre
  • Hausfrau
  • Verwitwet
  • Lebt mit 2 Katzen
  • Grunderkrankung: Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Lupusnephritis: Eingeschränkte Nierenfunktion1 (aktuelle Nierenfunktion: GFR < 30 ml/min/1,73m2)2
  • Schwellungen und Verformungen der Fingergelenke3
  • Therapie der Grunderkrankung:
    Medikamentöse Therapie mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken4
  • Zur Minimierung der Risikofaktoren:
    Kaliumarme und eiweißarme Diät, kein Rauchen2

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Die 55 Jahre alte Katzenliebhaberin Beate L. lebt jetzt schon eine ganze Weile mit ihrem systemischen Lupus erythematodes (SLE) und hat sich mittlerweile an die regelmäßigen Arzttermine gewöhnt. Ihre Tochter* arbeitet in der Praxis ihres Hausarztes Georg W. als medizinische Fachangestellte und ist dort neuerdings in das Impfmanagement involviert. Als Beate L. erzählt, dass sie in der nächsten Woche in der Hausarztpraxis wieder einen Termin zur Kontrolle ihrer Nierenwerte hat, fragt die engagierte Tochter sie direkt nach ihrem Impfausweis. „Gib ihn mir mal ruhig schon mit. Dann kann der Herr Doktor vorher in Ruhe nachsehen, welche Impfungen bei Dir fehlen oder aufgefrischt werden müssen – das wurde doch bestimmt eine Weile nicht mehr kontrolliert.“

Beatle L. war schon immer eine sehr gewissenhafte Frau, wenn es um ihre Gesundheit ging. Nach dem Tod ihres Mannes und bei ihrer eigenen Krankengeschichte möchte die 55-Jährige keine unnötigen Risiken eingehen und gibt ihrer Tochter den Impfausweis direkt mit.

Durchsicht des Impfausweises von Beate L.

Georg W. ist das Thema Impfprävention überaus wichtig und er informiert sich immer direkt nach dem Erscheinen über die aktuellen Impfempfehlungen der STIKO. Er gleicht die Eintragungen in Beate L.‘s Impfausweis routiniert mit den STIKO-Empfehlungen ab:

  • Tetanus, Diphtherie, Pertussis: Hier hat Beate L. vor 5 Jahren eine Auffrischimpfung erhalten, der Impfschutz besteht also noch.5
  • Poliomyelitis: Hier hat die Grundimmunisierung bei Beate stattgefunden und auch eine Eintragung für Auffrischimpfungen ist zu finden – es gibt also keinen Handlungsbedarf.5
  • Masern: Beate L. hatte die Masern in der Kindheit und ist zudem auch vor 1970 geboren5, daher ist keine Aktualisierung des Impfschutzes erforderlich.
  • Influenza: Es besteht eine Empfehlung für die Indikationsimpfung aufgrund ihrer Nierenerkrankung und ihrer erworbenen Immundefizienz, schließlich nimmt sie Medikamente ein, die das Immunsystem unterdrücken. Hier hat Beate L. in den letzten Jahren 1x jährlich eine Impfung bekommen. Auch im laufenden Jahr war sie bereits zum Impfen in der Praxis.5
  • Pneumokokken: Aufgrund ihrer immununterdrückenden Therapie und ihrer chronischen Nierenerkrankung besteht für Beate L. eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung für Pneumokokken-Krankheiten. Daher empfiehlt die STIKO die Indikationsimpfung gegen Pneumokokken. Doch diese ist nicht im Impfausweis eingetragen.5 Der Hausarzt ärgert sich, dass er diese Impfung bisher nicht bedacht hat und macht eine Notiz in der Akte von Beate L.: Impfaufklärung und Impfung gegen Pneumokokken beim nächsten Termin erledigen.

Nach welchem Schema erfolgt die Indikationsimpfung gegen Pneumokokken, z. B. bei Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten?

Tabelle 1: Impfschema zur Indikationsimpfung gegen Pneumokokken bei Personen mit bestimmten Grunderkrankungen. Tabelle erstellt von MSD nach [5].

Noch mehr Informationen über die Pneumokokken-Impfung und die von der STIKO empfohlenen Impfschemata erhalten Sie in unserer praktischen Klappkarte, hier!

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Bei welchen chronischen Grunderkrankungen ebenfalls auf den Impfschutz geachtet werden sollte, lesen Sie hier!

Diese fiktive Patientinnenkasuistik dient als Beispiel und kann bei jeder Patientin individuell abweichen.

* fiktives Patientinnenbeispiel

 

Quellen

1.
Fanouriakis A. et al. 2019 Update of the Joint European League Against Rheumatism and European Renal Association – European Dialysis and Transplant Association (EULAR/ERA–EDTA) recommendations for the management of lupus nephritis. Ann Rheum Dis 2020;79:713–723. DOI: 10.1136/annrheumdis-2020-216924
2.
S3-Leitlinie. Versorgung von Patienten mit chronischer nicht-dialysepflichtiger Nierenerkrankung in der Hausarztpraxis. (AWMF-Registernummer 053-048). Stand: 30.06.2019. Abrufbar unter: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/053-048.html
3.
Hussein S. et al. Monitoring of Osteonecrosis in Systemic Lupus Erythematosus: A Systematic Review and Metaanalysis. The Journal of Rheumatology 2018; 45:10. DOI:10.3899/jrheum.170837.
4.
Fanouriakis A. et al. 2019 update of the EULAR recommendations for the management of systemic lupus erythematosus. Ann Rheum Dis 2019;78:736–745. DOI: 10.1136/annrheumdis-2019-215089.
5.
Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI 2022. Epid Bull 2022;4:3-66.