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Wer gehört zur Risikogruppe Immundefizienz/-suppression?

2022-03-11 
 

Impfungen sind für Menschen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz bzw. unterdrücktem Immunsystem (Immunsuppression) essenziell, da sie ein höheres Risiko haben, an Infektionskrankheiten zu erkranken, die zudem schwerer verlaufen als bei Immungesunden.1 Mehr dazu hier

Warum es wichtig ist, Risikogruppen für Infektionskrankheiten zu erkennen

Warum es wichtig ist, Personen zu erkennen, die einer Risikogruppe für bestimmte Infektionskrankheiten angehören, wird am Beispiel von Pneumokokken deutlich. Es gibt bestimmte Personengruppen, die besonders durch Pneumokokken gefährdet sind, wie z. B. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit:1

  • angeborenem oder erworbenem Immundefekt bzw. mit unterdrücktem Immunsystem (Immunsuppression)
  • sonstigen chronischen Krankheiten wie chronischen Herzerkrankungen, chronischen Erkrankungen der Atemwege (z. B. Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Lungenemphysem), Stoffwechselkrankheiten wie z. B. ein medikamentös-behandelter Diabetes mellitus oder neurologischen Krankheiten wie z. B. ein Anfallsleiden oder in Folge eines Hirnschadens entstandene Bewegungsstörungen und Muskelsteife, die als Zerebralparesen bezeichnet werden
  • einem erhöhten anatomischen oder fremdkörper-assoziierten Risiko für eine durch Pneumokokken verursachte Gehirnhautentzündung, wie z. B. bei Vorliegen einer Verbindung zwischen der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit und der Außenwelt (Liquorfistel) oder dem Tragen einer implantierten Hörprothese (Cochlea-Implantat)

All diese Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen oder sind im Falle einer Pneumokokken-Erkrankung häufiger von einem schweren Krankheitsverlauf betroffen.2 Daher empfiehlt die STIKO für sie die Indikationsimpfung gegen Pneumokokken.1

Infektionsrisiko & die möglichen Konsequenzen

Menschen, die an einer Autoimmunkrankheit oder einer chronisch-entzündlichen Erkrankung leiden oder mit einer Therapie behandelt werden, die das Immunsystem beeinflusst, sind einem erhöhten Risiko gegenüber viralen und bakteriellen Infektionen ausgesetzt. Sind diese nicht geimpft, so können impfpräventable Infektionen die Häufigkeit von Erkrankungen und die Zahl der Todesfälle erhöhen.3 Pneumokokken-Erkrankungen, Grippe, Masern, Hepatitis B oder Windpocken / Gürtelrose können bei Menschen mit Autoimmunerkrankung oder unter immunsuppressiver Therapie gegenüber Gesunden und Personen mit intaktem Immunsystem...

  • ...schwerere Verläufe aufweisen.3
  • ...mit einem gesteigerten Risiko für Komplikationen einhergehen.3

Immundefekte & unterdrücktes Immunsystem: Nur eine Ausnahme in der Praxis?

Stetig wächst die Zahl der behandelbaren Patient:innen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen, wie z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Osteoarthritis, sowie mit Autoimmunkrankheiten, wie z. B. rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes oder multipler Sklerose. Dank der immer breiteren Palette an Therapieoptionen mit intensiver medikamentöser Unterdrückung des Immunsystems sowie dem Einsatz von sogenannten Biologika haben sich die Prognose und der Behandlungserfolg für die Betroffenen deutlich verbessert. Doch daraus ergibt sich, dass immer mehr Menschen mit einem krankheits- und / oder therapiebedingt funktionell eingeschränkten Immunsystem medizinisch betreut werden.3

In den letzten Jahren ist die Zahl der Patient:innen mit angeborenen primären Immundefekten sowie mit mehr oder weniger stark ausgeprägter, erworbener sekundärer Immundefizienz kontinuierlich gestiegen. Infolgedessen hat prinzipiell auch der Bedarf und die Komplexität der Impfberatung deutlich zugenommen. Allerdings ist die Impfquote bei Menschen mit Funktionsstörungen des Immunsystems insgesamt gering.4 Doch was könnten die Gründe für die Zurückhaltung vieler Ärzt:innen bei der Impfung von Patient:innen mit Immundefizienz bzw. Immundefekten sein? Aus Sicht vieler Ärzt:innen handelt es sich eher um seltene Einzelfälle, weshalb hier verschiedene Hürden bestehen:4

  • Um die Impfindikation sicher stellen zu können, können einerseits Informationen zu Indikationen und Kontraindikationen von Impfungen und die Erfahrung mit dem betreffenden Immundefekt oder mit der Wirkungsweise der Immuntherapie fehlen.4
  • Oft ist der Umfang der individuellen Einschränkung des Immunsystems unbekannt.4
  • Hinzu kommen generelle Bedenken zur Impfung bei Menschen mit eingeschränktem Immunsystem.4

Wir stellen Ihnen im Folgenden 5 Patient:innengruppen vor, die eine erworbene oder angeborene Immundefizienz bzw. Immunsuppression aufweisen.

 

Quellen

1.
Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2022. Epid Bull 2022;4:3-66
2.
Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI. Stand: September 2016. Epid Bull 2016;37:385-406.
3.
Wagner N et al. Impfen bei Immundefizienz – Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (IV) Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie. Bundesgesundheitsbl 2019;62:494-515. DOI: 10.1007/s00103-019-02905-1.
4.
Niehues T et al. Impfen bei Immundefizienz – Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen (I) Grundlagenpapier. Bundesgesundheitsbl 2017;60:674-84. DOI 10.1007/s00103-017-2555-4.
5.
Ishigami J, Matsushita K. Clinical epidemiology of infectious disease among patients with chronic kidney disease. Clin Exp Nephrol. 2019;23(4):437-47. DOI: 10.1007/s10157-018-1641-8.
6.
Wiedermann U et al. Impfungen bei Immundefekten/Immunsuppression – Expertenstatement und Empfehlungen. Wien Klin Wochenschr. 2016;128 Suppl 4:337-76. DOI: 10.1007/s00508-016-1033-6.
7.
Laws H-J et al. Impfen bei Immundefizienz – Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (III) Impfen bei hämatologischen und onkologischen Erkrankungen (antineoplastische Therapie, Stammzelltransplantation), Organtransplantation und Asplenie. Bundesgesundheitsbl 2020;63:588-644. DOI: 10.1007/s00103-020-03123-w.
8.
Ehl S et al. Impfen bei Immundefizienz – Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (II) Impfen bei 1. Primären Immundefekterkrankungen und 2. HIV-Infektion. Bundesgesundheitsbl 2018;61:1034-51. DOI: 10.1007/s00103-018-2761-8.